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Flagge zeigen

WombatMagazin, 26.1.2010

DON FUCHS (Text & Bilder)

Jedes Jahr am 26. Januar feiert Australien "Australia Day". Laut der offiziellen Australia Day-Webseite www.australiaday.org.au kommt die Nation zusammen „um zu feiern, was großartig an Australien und am Australier sein ist. Es ist ein Tag, um zu reflektieren, was wir erreicht haben und auf was wir als Nation stolz

sein können." Diese Sätze sagen es schon: Australia Day ist eine sehr patriotische Affäre und an diesem Tag zeigen die Australier ungeniert ihren Patriotismus. Die australische Flagge ist schlichtweg überall. In Sydney, wo der Feiertag vor allem um den Hafen gefeiert wird, zog ein Militärhubschrauber eine riesige

Flagge auf mehreren Runden um das Opernhaus. Oft sieht man Australier, eingewickelt in ihre Flagge durch die Straßen wandern. An diesem Tag kommt gelegentlich auch die unschöne Seite dieses überbordenden Patriotismus zum Ausdruck – wie jener Teenager im Vorstadtzug zur City. Er trug die Flagge wie ein Superman-Umgang und ein T-Shirt mit der provokativen Aufschrift „Love it or leave it" – „Liebe es [Australien], oder verschwinde". Der Slogan ist besonders beliebt bei ungebildeten jungen, weißen Australiern, wie jenen, die das Bild Australiens während der Krawalle in Cronulla im Dezember 2005 formten. Asylanten und ethnische Minderheiten sind Teil ihres „Feindbildes", Kritik am Land ist verpönt. Wer anders ist oder denkt wird abgelehnt. Doch diese auch für stolze Australier un-partiotischen Patrioten sind selbst in der Minderheit, wenn auch eine gelegentlich unangenehm laute. Für die meisten Australierinnen und Australier ist der erst seit 1935 offizielle Feiertag ein fröhliches Ereignis, dass vor allem in Sydney ganz groß gefeiert wird. Ursprünglich ins Leben gerufen, um die Ankunft der Ersten Flotte am 26. Januar 1788 zu feiern, hat man über die Jahre hin versucht, den Fokus etwas von diesem geschichtlichen Ereignis nehmen. Denn für die australischen Ureinwohner, so das Argument, ist die Ankunft der Ersten Flotte wahrlich kein Anlass zum feiern. Aus diesem Grund wird Australia Day von seinen Kritikern gelegentlich auch als „Invasion Day" bezeichnet – der Tag, an dem der Fünfte Kontinent „überfallen" wurde.

Der Status des „Australia Day" als nationaler Feiertag ist nach wie vor umstritten. Jedes Jahr entflammt gegen Ende Dezember die Diskussion aufs Neue. In Zeitungsartikeln, Blogs und Meinungsartikeln wird das Für-und Wider diskutiert. Diese Diskussion, wie zum Beispiel auch die Debatte, ob Australien eine Monarchie bleiben oder ein Republik werden soll, zeigt, dass die junge Nation nach wie vor dabei ist, seine Identität zu finden.

Für jene aber, die am diesem Tag in Sydney zum Hafen strömen, ist es eine Riesenparty mit zahllosen kostenlosen Veranstaltungen wie das Fährenrennen oder die Regatta der großen Segelschiffe. Die Luftwaffe und die Marine zeigen ihre Präsenz mit Überflügen von Kampfflugzeugen, Kanonensalutschüssen und Helikopterdemonstrationen. In den Straßen von The Rocks, dem historischen Viertel von Sydney, spielen Bands. Es wird getanzt, gelacht und gegessen. Teil des Feierprogramms ist eine offizielle Einbürgerungszeremonie, bei der einer ausgesuchten Gruppe von „neuen" Australiern öffentlich das Zertifikat überreicht wird, das die Staatsbürgerschaft bescheinigt. Abgeschlossen werden die Feierlichkeiten mit einem großen Feuerwerk. Wer immer das Glück hat, an diesem Tag in Sydney zu sein, erlebt in einem Übermaß, was Australier am besten können: feiern.

 

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